Postkarte aus dem KL Dachau vom 15. Juni 1937

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Postkarte des „Schutzhäftlings“ Karl Meyer vom 15. Juni 1937 aus dem Konzentrationslager Dachau an seine Frau in Nürnberg. Auf der Vorderseite mit den Anordnungen zum Schriftverkehr für Gefangene, die in allen Lagern ähnlich waren:

1. Jeder Schutzhaftgefangene darf in der Woche einen Brief oder eine Karte von seinen Angehörigen empfangen und an sie absenden. Die Briefe an die Gefangenen müssen gut lesbar geschrieben sein und dürfen nur 15 Zeilen auf einer Seite enthalten. Gestattet ist nur ein Briefbogen normaler Größe. Briefumschläge müssen ungefüttert sein. In einem Brief dürfen nur 5 Briefmarken à 12 Pfg. beigelegt werden. Alles andere ist verboten. und unterliegt der Beschlagnahme. Postkarten haben 10 Zeilen.
2. Geldsendungen sind gestattet.
3. Zeitungen sind gestattet, dürfen aber nur durch die Poststelle des K. L. Dachau bestellt werden.
4. Pakete dürfen nicht geschickt werden, da die Gefangenen im Lager alles kaufen können.
Alle Post, die diesen Anordnungen nicht entspricht, geht an die Absender zurück. Ist kein Absender bekannt, sow wird sie vernichtet.
Der Lagerkommandant

Außerdem ist auf der Vorderseite noch ein Stempel der „Postzensurstelle KLD“. In der Postzensurstelle des Konzentrationslagers Dachau waren ebenfalls Häftlinge beschäftigt, die aus- und eingehende Post prüften. Man beachte die damals gebräuchliche und einzig amtliche Abkürzung KL für Konzentrationslager. Das Kürzel KZ kam erst am Ende und nach dem Krieg auf, weil es in der Aussprache härter klingt, ist aber historisch falsch! Außerdem weist ein weiterer Stempel darauf hin, dass Entlassungsgesuche an die Lagerleitung zwecklos sind.

Karl Meyer schrieb an seine Frau:

„Liebe Frau! (Dachau, 15.6.37.)
Du hast bereits seit längerer Zeit nichts mehr von mir gehört. Schreibe mir bald ob du und Eugen gesund bist. Wenn es Dir möglich ist schicke mir von Zeit zu Zeit Geld per Postanweisung. Gruß an Ebersberger und alle anderen. Karl“

Häftlinge konnten jederzeit Geldanweisungen von Angehörigen, Bekannten und Hilfsorganisationen erhalten, auch aus dem Ausland. Das eingegangene Geld wurde dem Häftlingsgeldkonto bei der Häftlingsgeldverwaltung (Häftlingsnummer = Kontonummer) gut geschrieben. Ausländische Währungen wurden nach dem offiziellem Wechselkurs umgerechnet. Von seinem Konto konnte ein Häftling bestimmte Festbeträge abheben und dafür z.B. in der Lagerkantine einkaufen. Allerdings war das Angebot eingeschränkt.
Später kamen Prämien für Arbeitsleistungen hinzu, die als Anreiz für Normerfüllungen für die Rüstungsindustrie dienten. Wurde ein Häftling in ein anderes Lager verlegt, bekam er seine Geldkarte mit auf den Weg. Bei Entlassung wurde das Guthaben ausgezahlt, bei Tod den nächsten Angehörigen überwiesen.

Mehr zu diesem Thema finden Sie in meinem Buch „Das Geld des Terrors„.

Quelle: Sammlung Wolfgang Haney, Berlin

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